„Es reicht nicht kein Rassist zu sein. Wir müssen Anti-Rassisten sein“

Um ein Zeichen für ein offenes, buntes, tolerantes Wiesloch und gegen Alltagsrassismus zu setzen, hatte das „Bündnis für Demokratie und Toleranz e.V.“ Wiesloch am 19. Juli zu einer Kundgebung in den Gerbersruhpark eingeladen. Unter dem Motto „Wiesloch sagt Nein zu Rassismus!“ sprachen sich Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen und Institutionen gegen Terror, Rechtsextremismus, Rassismus, Hass, Intoleranz und Ausgrenzung aus. Aktualität und Brisanz des Themas waren für die Organisatoren vom Bündnis für Demokratie und Toleranz und die Aktivisten von „Fridays for Future“ vom OHG Wiesloch Grund genug die Veranstaltung auch in Zeiten von Corona durchzuführen. Gemeinsam mit der Polizei und der Stadtverwaltung wurde ein Konzept entwickelt, welches einen größtmöglichen Infektionsschutz gewährleisten konnte. Die Veranstaltung wurde von der Band Beatschuppen musikalisch begleitet.

Mit einem herzlichen „Willkommen“ begrüßte Oriana Viveros de Moraes-Gradl, Vorstandsmitglied von „Bündnis für Demokratie und Toleranz“, die etwa 200 Besucherinnen und Besucher, die in den Gerbesruhpark gekommen waren. Anlass der Kundgebung waren die erschreckenden Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit. „Nach dem was in den letzten Tagen und Wochen bei uns, in Deutschland und in der Welt los war, ist es uns wichtig gerade auch im Moment ein Zeichen zu setzen. Rechte Netzwerke bei Polizei und Bundeswehr werden aufgedeckt, der Prozess zum Mord an Walter Lübcke hat gerade begonnen, das menschenverachtende Verhalten von Polizisten in den USA, dass das Leben vieler Afroamerikaner kostet und die anti-rassistische Bewegung „Black Lives Matter“ erzeugte, – Alltagsrassismus macht sich immer mehr breit.“ Wie wichtig es ist, in solchen Zeiten Farbe zu bekennen, unterstrich sie mit einem Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „Es reicht heute nicht mehr aus, kein Rassist zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!“ und rief alle dazu auf, mit einer geschärften Wahrnehmung auf alltägliche Entscheidungen anzufangen. Denn mit einer geschärften Wahrnehmung für Respekt und Gerechtigkeit folgen bessere Entscheidungen und durch bessere Entscheidungen erreichen wir ein besseres Verhalten und bessere Handlungen.

Oberbürgermeister Dirk Elkemann erinnerte an den Tod von George Floyd in den USA und die anschließenden Ausschreitungen, die verdeutlicht haben, wie sehr alltäglicher Rassismus auch heute noch die Menschen aufwühlt. „In Deutschland werden rechtsradikale Umtriebe in einer Eliteeinheit der Bundeswehr offenkundig, die zur Auflösung einer Kompanie und weiteren organisatorischen Veränderungen führen. In Wiesloch verfolgen wir mit großer Aufmerksamkeit die Gerichts­verhandlung, in der die mit rechtsradikalen Ausrufen begangenen Taten an einer Eisdiele der Innenstadt aufgearbeitet werden. Wir sind sicher, dass der Rechtsstaat hier eine klare Antwort finden wird, denn hier ist die bürgerliche Gesellschaft herausgefordert. Stets aufs Neue müssen wir herausstellen, dass die Mehrheit hinter dem Prinzip einer offenen Gesellschaft steht und jegliche Formen von Rassismus kategorisch ablehnt. Wir brauchen eine Normalität, in der die Hautfarbe einfach keine Rolle spielt“. Danach sprachen Sultan Demir, Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Wiesloch, Turan Öcalan von der Moscheegemeinde Wiesloch, Pfarrer Alexander Hafner von der katholischen Seelsorgeeinheit Wiesloch-Dielheim für die Ökumene und Christine Ebbinghaus vom Schulleitungsteam Esther Bejarano Schule Wiesloch, die alle deutlich machten, dass Rassismus und Ausgrenzung in Wiesloch keinen Platz haben. Evein Obulor, Gründerin des „Migration Hub Heidelberg“, war erkrankt und musste kurzfristig absagen. Schließlich nahm Nils Sandritter von „Fridays for Future“ Stellung zum Zusammenhang von Klima- und Rassismuskrise. Aus der Sicht von „Fridays for Future“ ist die Klimakrise nicht nur eine ökologische und technische Herausforderung, sondern auch eine politische und soziale. „Rassismus zu bekämpfen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir sind nicht Schuld an dem, was war, aber wir sind verantwortlich für das, was in der Gegenwart und in der Zukunft passiert. Deswegen möchten wir jede und jeden, egal was für ein Leben er oder sie führt, ermutigen Verantwortung zu übernehmen.“ Nach der Veranstaltung zeigte sich der Versammlungsleiter Adrian Seidler vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ mit dem Verlauf sehr zufrieden: „Es ist toll, dass trotz Corona so viele den Weg zu uns gefunden haben. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir etwas gegen Alltagsrassismus tun wollen.“

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