Berches-Brot ging schnell weg

Am 22. Oktober 2020 jährte sich der 80. Jahrestag der Deportation der badischen Juden in das Internierungslager Gurs. Gemeinsam mit der Stolperstein Initiative verteilten wir gegen eine kleine Spende das jüdische Festtagsbrot Berches auf dem evangelischen Kirchplatz zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. In einer Zeit in der auch der Antisemitismus mehr und mehr aufkeimt, ist es uns ein Anliegen das Andenken zu bewahren, dem Einhalt zu geben und sichtbare Zeichen zu setzen.

„Je suis Prof“ und „Je suis Samuel“

Stellungnahme des Wieslocher Bündnis für Demokratie und Toleranz e.V. zur Ermordung des Geschichtslehrer Samuel Paty am 16. Oktober im Pariser Vorortgemeinde Conflans-Sainte-Honorine

Der islamistische Terroranschlag und die grausame Enthauptung des Geschichtslehrer Samuel Paty, in einem Pariser Vorort am vergangenen Freitag war ein verabscheuungswürdiges Verbrechen, die nicht nur in Frankreich sondern in ganz Europa für Entsetzen sorgte.

Die Tat steht im Zusammenhang mit dem Unterricht von Samuel Paty in dem er seinen Schülern die Mohammed-Karikaturen, die das Satiremagazin Charlie Hebdo veröffentlichte, zeigte, um mit ihnen über die Presse- und Meinungsfreiheit zu diskutieren. Vorab bot er den Schülerinnen und Schülern an dem Unterricht für diese Lektion fernzubleiben.

Die grausame Ermordung des Lehrers war zugleich ein Angriff auf unsere Grundwerte, auf die Meinungsfreiheit und auf die Pressefreiheit.

Wir als Bündnis für Demokratie und Toleranz verurteilen diese Tat.

Wie wir bereits in unserer Stellungnahme zu den Ereignissen vom 19.8.2020 in Berlin erklärten, ist das Recht auf Meinungsfreiheit einer der Grundpfeiler einer demokratischen, bunten und vielfältigen Gesellschaft. Und weiter schrieben wir „… Auch die Meinungen von Minderheiten werden in einer Demokratie respektiert und geschützt. Dafür stehen wir als Bündnis für Demokratie und Toleranz. Der politische Diskurs in einer Demokratie erfordert Leidenschaft und Engagement, aber gleichzeitig Respekt im Umgang miteinander und mit demokratischen Institutionen. Dieser Diskurs darf auf keinen Fall in Gewalt umschlagen. …“

Satire und Karikaturen müssen nicht jedem gefallen. Und ob Satire den richtigen Ton trifft und ob eine Karikatur sein muss, darüber lässt sich diskutieren.

Es darf nicht sein, dass Menschen in Angst leben müssen, weil sie im Rahmen geltenden Rechts ihre Meinung vertreten.

Insbesondere nicht in einer Zeit, in der Meinungsverschiedenheiten und sachliche Auseinandersetzungen, auch befeuert durch die sogenannten Sozialen Netzwerke, schnell in Aggressivität umschlagen und in Hass und Gewalt enden können.

Die Meinungs- und die Pressefreiheit sind wichtige Güter. Sie sind Grundpfeiler unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Keine Diskussion ist es Wert, diese Grundordnung und unsere Grundwerte in Frage zu stellen bzw. diese in Frage stellen zu lassen.

Auch für uns ist die eine oder andere Meinung nur schwer zu ertragen. Aber zu einer Demokratie gehört dies dazu. Solange sich andere Meinungen im Rahmen des Akzeptablen bewegen, dürfen wir es als Demokraten nicht zulassen, dass diese – wie bei Samuel Paty oder bei Walter Lübcke – auf grausame Weise mundtot gemacht werden.  

Es liegt an uns allen dafür Sorge zu tragen, dass kein Klima der Angst entsteht. Es liegt an uns, Lehrerinnen und Lehrern, Amtsträgern und allen, die sich für die Meinungs- und Pressefreiheit und unsere demokratischen Werte einsetzen, den Rücken zu stärken. Und es liegt an uns, unsere Demokratie nicht als selbstverständlich zu erachten und für unsere Grundwerte immer wieder einzustehen.

Eines unserer Ziele ist es, für eine „offene und tolerante Gesellschaft einzutreten“. In unserem Leitbild lehnen wir alle Jene ab, die die Menschenwürde verletzen und unser Grundgesetz nicht anerkennen.

Wir als Bündnis verurteilen jede Art von extremistischen Attacken und werben für ein gutes, friedliches, demokratisches und tolerantes Miteinander.

21.10.2020


Zum Artikel auf Wikipedia.

Start des Projekts „Wieslocher Wohnzimmer“

Bei der Konferenz wurde das „Wieslocher Wohnzimmer“ als Projekt des Vereins und der PfD vorgestellt. Ideengeber und Initiator war Dr. Lars Castellucci, der durch die Anschubfinanzierung das Projekt erst möglich gemacht hatte und weiterhin aktiv in der Projektgruppe mitarbeitet.  

Mittlerweile hat unser Verein federführend das Projekt organisatorisch mitübernommen. Die Projektgruppe „Wohnzimmer“ trifft sich regelmäßig, um die nächsten Schritte zu beraten. Dabei streben wir aktiv nach Partnerschaften mit anderen Institutionen und Organisationen auf lokaler und regionaler Ebene.

Das Wieslocher Wohnzimmer ist eine zentraler Baustein für den Verein und die gemeinsame Ziele sein. Mit dem Wieslocher Wohnzimmer soll ein Ort für verschiedene Initiativen, Vereine, Gruppen, Einzelpersonen und Verbände geschaffen werden.

Die Ziele des Projektes „Wieslocher Wohnzimmer“ haben wir in dem Projektantrag wie folgt beschrieben:

„Menschen sind uns so lange fremd, bis wir sie kennenlernen“, hat unser früherer Wieslocher Oberbürgermeister Franz Schaidhammer bei seinem Amtsantritt gesagt. Da hat er Recht. Und gleichzeitig ist das eine größere Aufgabe. Annähernd zehn Prozent unserer Bevölkerung kommen in einem einzelnen Jahr neu hinzu, ein winziger Teil als Neugeborene, die meisten von außen, etwa ebenso viele sterben oder ziehen fort. Über einen längeren Zeitraum tauscht sich ein erheblicher Teil unserer Bevölkerung fortlaufend aus. Vereinsvorsitzende können ein Lied davon singen.

Überall, wo Menschen neu aufeinander treffen, muss das Zusammenleben eingeübt werden: im Wohnblock, im Stadtteil, in der Gemeinde oder Stadt. Wo Menschen sich begegnen, kennenlernen und Beziehungen aufbauen, schwinden Ängste und Vorurteile und kann Neues entstehen. Es fehlen uns Plattformen, auf denen man alle Bevölkerungsgruppen beisammen hat. Sie müssen – vom Dorfgemeinschaftshaus über BürgerInnentreffs oder Interkulturelle Cafés – organisiert, entsprechend unterstützt und in ihrem integrativen Ansatz gestärkt werden. Vielleicht kann in Wiesloch hierfür ein Modell entstehen.

Wir wollen einen Ort für alle schaffen. Wir haben unglaublich viele engagierte Bürgerinnen und Bürger, Feste und Gelegenheiten, sich zu treffen. Oftmals treffen sich aber eher die gleichen Leute untereinander. Alles ist bunt und vielfältig, das ist schön, aber es kommen Wenige zusammen. Vereine, Kirchengemeinden und andere Organisationen haben ihre eigenen Räumlichkeiten. Kneipen mit Nebenräumen sind Mangelware geworden. Die Stadthalle ist zu groß und festlich. Vielfalt bedeutet für uns, dass nicht nur Jede/r für sich sein kann wie er oder sie will, sondern dass wir auch miteinander in Vielfalt gut zusammenleben. Das wollen wir unterstützen mit einem Raum, in dem man sich unkompliziert treffen, begegnen, kennenlernen kann. Dieser Raum ist das Wieslocher Wohnzimmer. Ein Raum, in dem man sich wohlfühlt wie im eigenen Wohnzimmer. Wo man gemütlich sitzt, sich ausruht, unterhält, etwas liest oder mit anderen zusammen etwas unternimmt.

Haben wir Sie neugierig gemacht? Die Projektgruppe freut sich über alle Mitstreitenden. Melden Sie sich bei uns uns oder kommen Sie zu einer unserer Veranstaltungen.

Interkulturelle Woche und Workshop „Ubuntu – Ich bin, weil WIR sind!“

Veranstaltungen im Rahmen der
Interkulturellen Woche
in Wiesloch

Im Rahmen der am Mittwoch beginnenden Interkulturellen Woche laden das Bündnis für Demokratie und Toleranz und das Kunststudio 58 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Gestalten toller Motive zum Thema „Ubuntu“ aus Textilcollagen ein.

In den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa bedeutet Ubuntu in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Für den Workshop fallen keine Gebühr an. Die Adresse lautet Lempenseite 58, Wiesloch. Anmeldung unter francisca@ardonascimento.com

Einladung zur Demokratiekonferenz

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Oktober 2018 hat sich der Verein „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ in Wiesloch gegründet. Wenig später wurde Wiesloch zu einer „Partnerschaft für Demokratie“, welche aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ bezuschusst wird.
Gemeinsam wurde einiges auf den Weg gebracht und zwischenzeitlich sind eine ganze Reihe von Projekten – mit und ohne Bundesmitteln – umgesetzt und initiiert worden. Die Antragsstellung für 2021 läuft. Gemeinsam mit Interessierten und Ihnen möchten wir den aktuellen Stand analysieren, unter anderem gemeinsame strategische Ziele für unsere Partnerschaft für Demokratie definieren und weiterentwickeln.
Hierzu laden wir Sie herzlich zu unserer

zweiten Demokratiekonferenz
am Samstag, 03.10.2020, von 15:00 bis 18:00 Uhr

in das Kulturzentrum Palatin, Minnesängersaal,
Ringstraße 17-19, 69168 Wiesloch
ein.

Alle Informationen zu unserer Veranstaltung, zu den geplanten Inhalten sowie zum Anmeldeprozedere finden Sie in der Anlage.
Wir würden uns freuen mit Ihnen gemeinsam Projekte zu den Themen Demokratie und Toleranz zu entwickeln und so zum Gelingen eines friedvollen Zusammenlebens in unserem Gemeinwesen beizutragen.

Mit freundlichen Grüßen
Adrian Seidler, Jindro Stehlik

Was: Demokratiekonferenz
der Partnerschaft für Demokratie Wiesloch (PfD)
Motto: Demokratie und Toleranz 2021
Datum: 03. Oktober 2020
Beginn: 15:00 Uhr
Ende: 18:00 Uhr
Veranstalter: Partnerschaft für Demokratie Stadt Wiesloch
Ort: Kulturzentrum Palatin, Minnesängersaal, Ringstraße 17-19, 69168 Wiesloch

Eingeladen sind alle Menschen aus Wiesloch und Umgebung, die sich mit den Themen Demokratie und Toleranz beschäftigen möchten.

Ab 15 Uhr können Sie sich über laufende Projekte informieren, über neue Aktionen und Veranstaltungen diskutieren sowie im partizipativen Dialog an den Zielen der PfD Wiesloch arbeiten.
Inhalte der Konferenz sind eine Ausstellung zu aktuellen Projekten, eine Netzwerkstatt und verschiedene Workshops mit dem Ziel neu Ziele und Projekte für unsere PfD zu entwickeln.
Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung ist das gegenseitige Kennenlernen um Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen. Für die Netzwerkstatt sind alle herzlich eingeladen, ihre Informationsmaterialien mitzubringen und Interessierten zur Verfügung zu stellen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Startseite der städtischen Homepage und auf www.demokratie-wiesloch.de

Anmeldung und Kontakt für Rückfragen:
bis zum 30. September per E-Mail oder telefonisch bei Jindro Stehlik
E-Mail: kuf@demokratie-wiesloch.de, Tel: 06222 / 3053942

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Wiesloch mit dem Wieslocher Bündnis für Demokratie und Toleranz e.V. statt und wird unter anderem aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert.
Die Demokratiekonferenz ist ein offenes Forum, bei dem Menschen, denen das demokratische Zusammenleben in der Region am Herzen liegt, miteinander in Kontakt gebracht werden und eine Auseinandersetzung mit thematischen Schwerpunkten der Partnerschaft stattfindet. Aus dieser Vernetzungsarbeit entstehen neue Ideen für Projekte und Aktionen in der Region.
Die Demokratiekonferenz dient auch der Entwicklung einer gemeinsamen Situationsbeschreibung in der Region. Sie definiert die strategischen Ziele der Partnerschaft für Demokratie Wiesloch.
Außerdem soll die Demokratiekonferenz auch der Vermittlung von Hintergrundwissen über menschenverachtende Phänomene und der Bekanntmachung von besonders erfolgreichen Projekten und Modellen dienen.

Kein Verständnis!

Stellungnahme des „Bündnis für Demokratie und Toleranz e.V.“ zu den Ereignissen vom 19.8.2020 in Berlin

Das Recht auf Meinungsfreiheit ist einer der Grundpfeiler einer demokratischen, bunten und vielfältigen Gesellschaft. Auch die Meinungen von Minderheiten werden in einer Demokratie respektiert und geschützt. Dafür stehen wir als Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Der politische Diskurs in einer Demokratie erfordert Leidenschaft und Engagement, aber gleichzeitig Respekt im Umgang miteinander und mit demokratischen Institutionen. Dieser Diskurs darf auf keinen Fall in Gewalt umschlagen. Wir verurteilen jede Art von extremistischen Attacken. Wir haben kein Verständnis, wenn sogenannte „besorgte Bürger“, Corona-Maßnahmen-Gegner und Verschwörungsgläubige zusammen mit Neonazis demonstrieren und mitmachen bei deren Versuch, den Reichstag zu stürmen! Das ist abscheulich und unerträglich!

Nach dem brutalen Mord an George Floyd sagte Bundespräsident Steinmeier: „Es reicht nicht aus, kein Rassist zu sein. Wir müssen Antirassisten sein.

Übertragen auf die Ereignisse vom 29.8.2020 in Berlin kann das nur heißen: „Es reicht nicht aus, kein Nazi zu sein. Wir müssen Antinazis sein.“

Und dazu gehören: klare Abgrenzung, keine gemeinsame Sache, kein Marschieren Seite an Seite.

Wir hätten uns gewünscht, dass der Veranstalter bereits im Vorfeld klar Stellung bezogen hätte, und dass jeder einzelne Teilnehmer im Auftreten und bei den verwendeten Transparenten dargestellt hätte, wofür man steht – und wofür nicht.

Wer stillschweigend toleriert, dass rechte Demokratieverächter die Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für ihre zerstörerischen Zwecke missbrauchen, macht sich mitschuldig, wenn der demokratische Rechtsstaat und seine Institutionen immer stärker unter Druck geraten, wenn demokratisch gewählte Politikerinnen und Politiker mit Hassmails bedroht werden, wenn die grausame Vergangenheit uns einholt.

Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Dorfpride Mühlhausen 2020

Rede bei der Dorfpride in Mühlhausen 02.08.2020

Wir freuen uns sehr, heute hier bei der ersten Dorfpride im Südwesten zu Euch sprechen zu dürfen. Unser Verein „Bündnis für Demokratie und Toleranz Wiesloch e.V.“, für den wir heute hier zu Euch sprechen dürfen, hat sich zum Ziel gesetzt, eine Brücke in unserer Gesellschaft zu bauen.
Wir stützen uns dabei auf den Grundsatz von Demokratie, Toleranz und Vielfalt. Wir handeln entschieden gegen jede Form von Rassismus, Intoleranz, Populismus, Extremismus und allem, das versucht unsere Demokratie, Freiheit und Vielfalt anzugreifen.
Was für eine fröhliche Demonstration des Selbstbewusstseins. Wir zeigen „alle gehören dazu“ und durch unser aller Teilnahme an dieser Dorfpride sind wir gemeinsam ein Vielfaltsverstärker.
Landtagspräsidentin Mutharem Aras hat beim CSD in Stuttgart gesagt:
„Vielfalt bedeutet, sich auf Neues einzulassen, auf andere Menschen, die andere Erfahrungen gemacht haben, die anders ticken und anders sprechen.“ Das kann anstrengend sein und es führt gelegentlich auch zu mehr Auseinandersetzungen. Aber es macht uns als Gesellschaft stärker.
Wir sind davon überzeugt, es ist wichtig, dass wir alle von einander lernen in und aus allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft. Ein kluges Beispiel liefert uns die Wirtschaft:
Unternehmen mit gemischten Teams – Ältere/Jüngere, Frauen/Männer, Menschen mit
unterschiedlicher Herkunft, Religion, sexueller und geschlechtlicher Identität – machen nachweislich gemeinsam mehr Gewinn.
Der Gewinn unserer Gesellschaft lässt sich nicht in Geld messen, aber in mehr Zusammenhalt, in mehr Kreativität und auch in einer höheren Resistenz gegen Krisen, wie wir aktuell sehen, weil wir mit gelebter Vielfalt sicher einen besseren Rundumblick in der Gesellschaft haben. Gelebte Vielfalt heißt, dass wir auf allen Ebenen Vielfalt ermöglichen und auch aktiv fördern in den Führungsetagen von Wirtschaft, in der Politik, in Verwaltungen, in Universitäten, in Schulen, in Kitas und im Sport und im täglichen Leben. Vielfalt muss Leitbild in unserer Gesellschaft sein und nicht nur ein *Sternchen-Thema.
Ein Afrikanisches Sprichwort sagt: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern. Wir sind alle heute hier und machen gemeinsam weitere viele kleine Schritte um das Gesicht und auch das Herz unserer Welt noch bunter und vielfältiger zu machen. Das ist großartig und wir freuen uns sehr, dass heute dafür hier in Mühlhausen bei der Dorfpride so viele Menschen dabei sind.
Herzlichen Dank von uns „Demokratie und Toleranz Wiesloch e.V.“ an die OrganisatorInnen.

„Es reicht nicht kein Rassist zu sein. Wir müssen Anti-Rassisten sein“

Um ein Zeichen für ein offenes, buntes, tolerantes Wiesloch und gegen Alltagsrassismus zu setzen, hatte das „Bündnis für Demokratie und Toleranz e.V.“ Wiesloch am 19. Juli zu einer Kundgebung in den Gerbersruhpark eingeladen. Unter dem Motto „Wiesloch sagt Nein zu Rassismus!“ sprachen sich Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen und Institutionen gegen Terror, Rechtsextremismus, Rassismus, Hass, Intoleranz und Ausgrenzung aus. Aktualität und Brisanz des Themas waren für die Organisatoren vom Bündnis für Demokratie und Toleranz und die Aktivisten von „Fridays for Future“ vom OHG Wiesloch Grund genug die Veranstaltung auch in Zeiten von Corona durchzuführen. Gemeinsam mit der Polizei und der Stadtverwaltung wurde ein Konzept entwickelt, welches einen größtmöglichen Infektionsschutz gewährleisten konnte. Die Veranstaltung wurde von der Band Beatschuppen musikalisch begleitet.

Mit einem herzlichen „Willkommen“ begrüßte Oriana Viveros de Moraes-Gradl, Vorstandsmitglied von „Bündnis für Demokratie und Toleranz“, die etwa 200 Besucherinnen und Besucher, die in den Gerbesruhpark gekommen waren. Anlass der Kundgebung waren die erschreckenden Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit. „Nach dem was in den letzten Tagen und Wochen bei uns, in Deutschland und in der Welt los war, ist es uns wichtig gerade auch im Moment ein Zeichen zu setzen. Rechte Netzwerke bei Polizei und Bundeswehr werden aufgedeckt, der Prozess zum Mord an Walter Lübcke hat gerade begonnen, das menschenverachtende Verhalten von Polizisten in den USA, dass das Leben vieler Afroamerikaner kostet und die anti-rassistische Bewegung „Black Lives Matter“ erzeugte, – Alltagsrassismus macht sich immer mehr breit.“ Wie wichtig es ist, in solchen Zeiten Farbe zu bekennen, unterstrich sie mit einem Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „Es reicht heute nicht mehr aus, kein Rassist zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!“ und rief alle dazu auf, mit einer geschärften Wahrnehmung auf alltägliche Entscheidungen anzufangen. Denn mit einer geschärften Wahrnehmung für Respekt und Gerechtigkeit folgen bessere Entscheidungen und durch bessere Entscheidungen erreichen wir ein besseres Verhalten und bessere Handlungen.

Oberbürgermeister Dirk Elkemann erinnerte an den Tod von George Floyd in den USA und die anschließenden Ausschreitungen, die verdeutlicht haben, wie sehr alltäglicher Rassismus auch heute noch die Menschen aufwühlt. „In Deutschland werden rechtsradikale Umtriebe in einer Eliteeinheit der Bundeswehr offenkundig, die zur Auflösung einer Kompanie und weiteren organisatorischen Veränderungen führen. In Wiesloch verfolgen wir mit großer Aufmerksamkeit die Gerichts­verhandlung, in der die mit rechtsradikalen Ausrufen begangenen Taten an einer Eisdiele der Innenstadt aufgearbeitet werden. Wir sind sicher, dass der Rechtsstaat hier eine klare Antwort finden wird, denn hier ist die bürgerliche Gesellschaft herausgefordert. Stets aufs Neue müssen wir herausstellen, dass die Mehrheit hinter dem Prinzip einer offenen Gesellschaft steht und jegliche Formen von Rassismus kategorisch ablehnt. Wir brauchen eine Normalität, in der die Hautfarbe einfach keine Rolle spielt“. Danach sprachen Sultan Demir, Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Wiesloch, Turan Öcalan von der Moscheegemeinde Wiesloch, Pfarrer Alexander Hafner von der katholischen Seelsorgeeinheit Wiesloch-Dielheim für die Ökumene und Christine Ebbinghaus vom Schulleitungsteam Esther Bejarano Schule Wiesloch, die alle deutlich machten, dass Rassismus und Ausgrenzung in Wiesloch keinen Platz haben. Evein Obulor, Gründerin des „Migration Hub Heidelberg“, war erkrankt und musste kurzfristig absagen. Schließlich nahm Nils Sandritter von „Fridays for Future“ Stellung zum Zusammenhang von Klima- und Rassismuskrise. Aus der Sicht von „Fridays for Future“ ist die Klimakrise nicht nur eine ökologische und technische Herausforderung, sondern auch eine politische und soziale. „Rassismus zu bekämpfen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir sind nicht Schuld an dem, was war, aber wir sind verantwortlich für das, was in der Gegenwart und in der Zukunft passiert. Deswegen möchten wir jede und jeden, egal was für ein Leben er oder sie führt, ermutigen Verantwortung zu übernehmen.“ Nach der Veranstaltung zeigte sich der Versammlungsleiter Adrian Seidler vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ mit dem Verlauf sehr zufrieden: „Es ist toll, dass trotz Corona so viele den Weg zu uns gefunden haben. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir etwas gegen Alltagsrassismus tun wollen.“